1.2 – Rhythmik
Auch das rhythmische System wird von ganzzahligen Verhältnissen bestimmt. Basis des Rhythmus ist das Metrum, der im gleichmäßigen Tempo laufende Schlag. Durch regelmäßiges Betonen jedes zweiten Schlages wird das Metrum strukturiert, es entsteht die nächsthöhere Ebene, der 2/4 Takt. Der betonte Schlag gilt als der Beginn des Taktes. Das Verhältnis der Notenwerte der beiden Ebenen ist 2:1. Die Betonung kennt keine exakte Quantifizierung.
Analog dazu kann der Schlag in zwei gleiche Teile geteilt werden, die dann, wie die Schläge im Takt unterschiedlich stark betont werden. Auch hier ist das Verhältnis der Notenwerte zwischen den Ebenen 2:1. Das Verhältnis der Notenwerte zwischen der obersten (Halbe Note) und der untersten Ebene (Achtelnote) ist 4:1.
Das Verhältnis zwischen den Notenwerten zweier benachbarter Ebenen kann auch 3:1 sein. Wenn jeder dritte Schlag des Metrums betont wird, entsteht der ¾ Takt. Er ist um die Hälfte, also eine Viertelnote länger. Welcher der beiden Schläge nach dem betonten ersten Schlag stärker ist, ist von der Theorie her nicht definiert und wird in der Praxis nicht bewusst unterschieden.
Auch zur unteren Ebene kann das Verhältnis der Notenwerte 3:1 durch eine Dreiteilung des Schlags hergestellt werden. Der Schlag wird nicht in zwei, sondern drei gleiche Teile (Triolen) geteilt, das Betonungsschema ist analog zum ¾ Takt.
Das Teilungsverhältnis 2:1 ist der Standard. Das Verhältnis 3:1 kommt meistens nur bei einem Wechsel der Ebene vor.
Die Rhythmik war bis ins Mittelalter durch den Sprachfluss bzw. die Versmaße der klassischen Antike bestimmt. Die exakte Definition und Erfassung der Tonlängen durch Zahlenverhältnisse begann im mittelalterlichen Paris und wurde erst später Teil der Notenschrift. Die Notwendigkeit dafür entstand aus der Praxis der Mehrstimmigkeit. Noch später wurde der zweite rhythmische Aspekt, die Betonung, von der Theorie betrachtet und als Takt in die Notenschrift integriert.
Eine Verabsolutierung des Zeitmaßes gibt es nicht, auch wenn mit dem Metronom die Möglichkeit dafür gegeben wäre. Dementsprechend ist die rhythmische Gehörbildung immer relativ gedacht. Fließende Übergänge in ein anderes Zeitmaß sind Teil der Praxis.
Die Hilfsmittel zum Rhythmuslesen sind das Mitklopfen des Metrums oder das Mitzählen entsprechend der Taktart (z. B. Taketina für den 4er Takt).
Auch der Rhythmus selber kann geklatscht werden. Beim Klatschen erleichtert man sich die Aufgabe durch Weglassen der Diasthematik. Außerdem ist das Klatschen meistens leichter als das Spielen des Instrumentes. Das Klatschen kann aber auch bis zu einem gewissen Grad die Längenverhältnisse durch den Weg der Hände visualisieren.
In Analogie zur (diasthematischen) Solmisation wurde auch versucht den Rhythmus zu versprachlichen. Das System nach Kodály (TA, TITI) berücksichtigt nur die Längen, nicht den Takt. Die verschiedenen Vokale suggerieren auch keine verschiedenen Längen. Ein System, das im ehemaligen Jugoslawien in Verwendung war (tafa-tefe) basiert auf der Betonung im Rhythmus und unterscheidet zwischen 2er und 3er Takt (tafa-tefe-tifi).
In der diatonischen Geige wird die neu entwickelte Rhythmussolmisation Yatapam verwendet.