Rhythmus, Artikulation, Stricharten
„Auch in anderen Stricharten zu üben“ ist ein typischer Zusatz zu Etüden mit regelmäßigem rhythmischem Ablauf. Solche Übungsmodi sind für eine solide Technik unerlässlich. Dabei werden unter diesem Begriff meistens verschiedene Parameter summiert.
Wenn aus einer Achtel zwei Sechzehntel gemacht werden, dann wird der Rhythmus verändert. Spielt man staccato statt non legato, dann ändert man die Artikulation. Bindet man Noten, dann ändert man nicht nur die Artikulation, sondern auch die Strichart.
Der Bogen bedingt die rhythmischen Besonderheiten der Streicher: etwa die schnellen Tonwiederholungen (auch über längere Strecken) oder die Umständlichkeit von punktierten Noten (Tonfolgen mit asymmetrischen Notenlängen). Er ermöglicht aber auch bis zu einem gewissen Grad die Visualisierung der Tonlängenverhältnisse. (Eine halbe Noten braucht doppelt so viel Bogen wie eine Viertelnote.)
Trotz dieser Tatsache darf der Rhythmus, ebenso wie die Diasthematik, nicht allein vom Befolgen solcher Anweisungen abhängen, sondern muss einer inneren Vorstellung folgen. Diese wird in der diatonischen Geige mit der neuen Rhythmussprache Yatapam trainiert. Yatapam berücksichtigt Länge und Gewicht der Noten, ist systematisch, suggestiv und wenig fehleranfällig.
Artikulation meint den Übergang von einem zum nächsten Ton, also wie und wann der erste Ton innerhalb des gegebenen Rhythmus aufhört und wie der nächste beginnt. Ihre Größen sind alle relativ gedacht und sie unterscheiden sich je nach instrumentenspezifischer Umsetzung. So muss etwa jeder Ton am Klavier, auch wenn er gebunden ist, angeschlagen werden, während Bläser und Streicher den klingenden Ton ohne Unterbrechung in der Tonhöhe ändern können.
Die Strichart als streicherspezifischer Parameter ergibt sich aus der Tatsache, dass für die Tonerzeugung beide Strichrichtungen möglich, ja notwendig sind. Strichart und Artikulation sind nicht immer scharf zu trennen, da aus dem einen oft das andere folgt. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Kategorien der Artikulation sind fließend, während Stricharten recht eindeutig zu unterscheiden sind. Auf- und Abstrich sind eindeutige Größen, wenngleich der Strichwechsel auf verschiedene Weise artikuliert werden kann.
Strichart im technischen Sinn ist die Abfolge von Auf- und Abstrich in Bezug auf die rhythmische und diasthematische Abfolge der Töne. Elementare Stricharten mit dem liegenden Bogen sind das einfache Hin-und-her des Bogens (non legato), der unterbrochene Strich (portato) und die Bindung (legato). Eine weitere Strichart ist der wiederholte Strich, bei dem der Bogen aufgehoben werden muss.
Neben dem einfachen Hin-und-her auf einer Saite gibt es vier Möglichkeiten von gleichzeitigem Saiten- und Richtungswechsel: An der Spitze (vom Ab- zum Aufstrich) auf die obere Saite, am Frosch auf die untere Saite, an der Spitze nach unten, am Frosch nach oben.
Ebenso kann eine Bindung im Abstrich nach oben, im Aufstrich nach unten, im Abstrich nach unten oder im Aufstrich nach oben gehen.
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Portato hat die gleichen Möglichkeiten wie legato; und es ist auch auf der gleichen Saite und mit dem gleichen Ton möglich ist.
Diese Komplexität wird einem oft erst im elementaren Unterricht bewusst, wenn eine einzelne dieser vielen Möglichkeiten Schwierigkeiten macht. Stricharten als eindeutige Größen müssen genauso systematisch geübt werden wie Griffarten.