Das pädagogische Konzept der diatonischen Geige
2 Schienen
Die diatonische Geige setzt die aus der Betrachtung der Unendlichen Geige gewonnenen Erkenntnisse dadurch um, dass sie Notenlehre (das absolute Notennamenssystem und seine Schreibung im 5-Liniensystem) und Gehörbildung (in Form der relativen Solmisation mit den Handzeichen als Visualisierung) getrennt mit dem Griffsystem der Geige in Verbindung bringt. Der Lerninhalt wird aus zwei Perspektiven betrachtet und mit dementsprechendem Material konkretisiert.
In der Geigenmusik wird der Zusammenhang zwischen dem traditionellen Notenbild und dem Griffbild hergestellt. Es gilt deshalb das absolute Namenssystem mit den Stammtönen c – d – e – f – g - a – h.
Die Geigenfitness thematisiert den Zusammenhang von Griffbild und relativem Klangbild. Dementsprechend kommt als Namenssystem die relative Solmisation mit den Tonsilben Do – Re – Mi – Fa – So - La -Ti mit den entsprechenden Handzeichen zur Anwendung. Geschrieben werden die Tonhöhen mit Solmisationsnotenköpfen und ohne Notenlinien.
Die Geigenmusik entspricht dem traditionellen Bild von Instrumentalschulen als einer Sammlung von Stücken, die in musikalischer und instrumentenspezifischer Hinsicht pädagogisch sinnvoll geordnet sind. Musizierform ist das Spielen von Stücken nach Noten. Die Theorie wird anhand der Systematik, in der die Stücke angeordnet sind, sichtbar. Sie kann aus geigerischer Sicht erlebt und erfahren werden. Zur Geigenmusik gehört noch die Geigentheorie, ein geigenspezifischer Theoriekurs in Form eines Arbeitsbuches. Darin werden anhand von schriftlichen Aufgaben die zum Geigenspiel notwendigen musiktheoretischen Inhalte wiederholt und gefestigt bzw. wird die geigenspezifische mit der allgemeinen Theorie in Verbindung gebracht. (Die Geigentheorie ist vorerst noch nicht ausgearbeitet.)
Die Geigenfitness besteht aus getrennt notierten rhythmischen und diasthematischen Bausteinen, die individuell und flexibel zu technischen Übungen kombiniert werden können. Lernziel ist der Aufbau einer soliden Instrumentaltechnik und einer geigenspezifischen Gehörbildung, als Anregung für Auswendigspiel und Improvisation in Ergänzung zum Literaturspiel nach Noten. (Die Veröffentlichung der Geigenfitness kann derzeit im „Book on demand- Format“ nicht realisiert werden.)
Die Geigenmusik schlägt die Brücke zur Theorie, die Geigenfitness zur Gehörbildung.
Damit sich das absolute und das relative Notensystem nicht gegenseitig stören, sollen die beiden Schienen getrennt unterrichtet werden: die Geigenmusik traditionell im Einzelunterricht, die Geigenfitness in der Gruppe, ohne Noten, nach Gehör, nach Handzeichen … (In dieser Gruppe sollen auch schon die Lieder der Geigenmusik gesungen werden, noch bevor sie gespielt werden. Und natürlich kann auch mit der Stimme solmisiert werden. Dieser gemeinsame Unterricht geht dann allmählich ins Ensemblespiel über.)
Aus dem Zusammenspiel dieser Greiffingergehörbildung, mit dem geigenbezogenen Verständnis der Notenlehre kann sich dann eine belastbare Gehörbildung entwickeln.
3 Abschnitte
Nach diasthematischen Aspekten ist die diatonische Geige in drei Abschnitte eingeteilt:
Im 1. Abschnitt (Geigenmusik 1) wird der pentatonische Tonraum in den dafür möglichen Tonarten G, D, A, E und H aufgebaut. Für diesen Tonvorrat braucht es nur 1., 2. und 3. Finger mit jeweils großem Abstand. Es gibt also keine Griffarten, nur Fingersätze. Wenn am Ende der 4. Finger dazukommt ist man in der „3. Griffart“, dem idealen Ausgangspunkt für die systematische Erkundung des Griffbretts. In der Geigenfitness I werden die gleichen grifftechnischen Inhalte in Beziehung zu den relativen Tonhöhen gesetzt.
Im 2. Abschnitt (Geigenmusik 2) wird der siebenstufige diatonische Tonraum in allmählich größer werdendem Tonumfang in C-Dur und den #-Tonarten, beginnend bei E-Dur, erarbeitet.
Die Graphik Griffbild im Notenbild ist eine Kombination aus Tabulatur und Notenschrift. Sie zeigt, dass eine Tonart nicht einer Griffart zugeordnet werden kann und weist ganz bewusst auf den Springenden Finger hin. Auf diese Weise wird schon früh die Flexibilität der Greiffinger geübt. Der Rahmen zwischen 1. und 4. Finger bleibt aber vorerst (bis der 1. Finger bei f‘‘ nach unten gestreckt wird) stabil. Die Theorie kennt nur die Erhöhung mittels #.
Auf diese Weise erschließt sich allmählich die Systematik, die sich aus der Kombination des diatonischen Tonsystems (7stufige unregelmäßige Tonleitern entnommen aus der regelmäßigen 12stufigen chromatischen Tonleiter) mit dem Griffsystem der Geige (Saiten im Quintabstand, von 4 Fingern nach dem Prinzip „ein Finger entspricht einem Stammton“ gegriffen) ergibt.
Der 3. Abschnitt (Geigenmusik 3) umfasst die „b“-Tonarten. Grifftechnisch bringt das vermehrt den Springenden 1. Finger und den allmählichen Verlust der leeren Saiten. Durch Ausweichen in die Lagen kann der stabile Rahmen zwischen 1. und 4. Finger noch länger erhalten bleiben. Das Lagenspiel soll nicht nur als Notwendigkeit zur Erweiterung des Tonraumes nach oben, sondern auch als Möglichkeit für praktikablere Fingersätze erfahren werden. In den Lagen kommen auch die schon von Geigenmusik 2 bekannten (#-) Tonarten dran. In theoretischer Hinsicht ist das Vorzeichen „b“ neu.
Während im Griffbild im Notenbild in der Geigenmusik das Griffbild konkreter (absoluter) Töne dargestellt wird, werden in der Geigenfitness die diatonischen Griffbilder auf der Unendlichen Geige abstrakt, also ohne Bezug zur absoluten Tonhöhe dargestellt. Deshalb gibt es keine Trennung nach Tonarten. Geigenfitness II ist der Begleiter zu Geigenmusik 2 und Geigenmusik 3.